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Kirche, Kanzel und Kicken
Über den sportbegeisterten Vikar und Vereinsgründer
Josef Buchholz
Josef Buchholz wurde 1895 in Fischerbach im Kinzigtal geboren. Nach seiner Ausbildung zum Priester erhielt er 1922 in St. Peter die Weihe und am 23. September 1926 trat er seine Stelle als Vikar bei Pfarrer Salzmann in Hohentengen an.

Fußball war in dieser Zeit die neue Sportart und im ganzen Land wurden Fußballvereine gegründet. Das Fußballfieber hatte auch Hohentengen ergriffen, und man sprach bereits über die Gründung eines eigenen Vereins. Da kam Vikar Buchholz gerade richtig, denn er kümmerte sich nicht nur um die geistlichen Belange seiner Gemeinde, sondern interessierte sich besonders für diesen neuen Sport. Er war derjenige, der die entscheidenden Impulse gab. Mit Unterstützung einiger Gleichgesinnter gründete er im Jahr 1928 einen Verein, den DJK Hohentengen (Deutsche Jugend Kraft). Der Vikar wurde gleich zum ersten Vorsitzenden gewählt, zweiter Vorsitzender wurde Adolf Kupferschmid.

Ein Verein braucht natürlich einen Sportplatz sowie Turn- und Spielmöglichkeiten. Grundstücke am Mühleweiher wurden zunächst angepachtet und 1931 von Vikar Buchholz erworben und dem DJK zur Verfügung gestellt. Anschließend errichtete man auf diesem Grundstück die Turnhalle. Die Jahreszahl 1931 ist heute noch beim SC Vereinsheim an der Südfront zu sehen.

Der sportbegeisterte Pfarrer hatte sich jedoch nicht nur engagiert für die Halle eingesetzt, sondern auch persönliche Opfer gebracht: Er hatte für den Grundstückserwerb ein Darlehen beim Ordinariat in Freiburg aufgenommen, die Dar­lehens­ra­ten wurden monatlich von seinem Lohn abge­zo­gen. Erwähnenswert ist, dass dies zur Zeit der Weltwirtschaftskrise geschah, als Geld sehr knapp war. Wie sich
Seelsorgeamt und Sportbegeisterung bei Vikar Buchholz die Waage hielten, ist in der Chronik von Herbert Fuchs nachzulesen: ?Wenn man in jenen Tagen den Pfarrer brauchte, musste man diesen nur beim Sportplatz bzw. dem Turnhallenbau suchen. Dort hat er gepickelt und geschaufelt, gemauert und betoniert. Wegen eines Fußballspiels soll er einmal sogar eine auf Sonntag­nachmittag festgesetzte Taufe vergessen haben.? Das Engagement des Pfarrers ging so weit, dass neu angeworbene Spieler nicht nur auf dem Spielfeld Betätigung fanden, sondern auch einen entsprechenden Arbeitsplatz in der Umgebung.

Doch Fußball war nicht die einzige Freizeit­be­schäftigung des äußerst aktiven Pfarrers. Wenn er weder von seinen Kirchen­schäf­chen noch auf dem Fußballplatz gebraucht wurde, setzte er sich in seinen Wagen, einen BMW Dixi, und erkundete die Landschaft. Sein Neffe berichtet, dass es Pfarrer Buchholz großen Spaß gemacht hatte, einen Al­pen­pass nach dem anderen zu erkunden. Gar nicht abgeneigt war der Pfarrer auch dem Kartenspiel, und es soll öfters vorgekommen sein, dass sich solche Spiele bis in den frühen Morgen hinzogen.
Der Pfarrer und sein Verein begeisterten die Jugend, denn neben Fußball wurden auch Turnen und Leichtathletik angeboten. Der Zuspruch war immens und entsprechend groß war der Einfluss von Josef Buchholz auf die Gemeinde: Er vertrat mit persönlichem Engagement sowohl die kirchlichen wie die sportlichen Belange im Ort und sprach damit Alt und Jung an. Diese Konkurrenz war den inzwischen regierenden Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Dem Verein wurde die Arbeit zunehmend erschwert und die Verantwortlichen der nationalsozialistischen Ortspartei arbeiteten darauf hin, den ihnen missliebigen Pfarrer Buchholz, ein entschiedener Gegner der Nazis, loszuwerden. 1933 wurde Pfarrer Buchholz verhaftet ? man unterstellte ihm ?sittliche Verfehlungen.? Bewiesen wurde nie etwas. Die Verhaftung des Vikars war der Anfang vom Ende des DJK. Der Verein wurde 1937 ganz im Sinne des Nationalsozialismus aufgelöst.

Nach der Haft wurde Buchholz in die Pfarrei Groß­schö­nach bei Pfullendorf versetzt. Dort ließ er eine neue Pfarr­kirche bauen und gründete in den fünfziger Jah­ren den örtlichen Fußballverein. In Großschönach ver­­brachte er 44 Jahre seines Lebens. Die Gemeinde hat wegen seiner Verdienste eine Straße nach ihm benannt.
Pfarrer Buchholz wurde im September 1977 in seinem Geburtsort im Kinzigtal beerdigt. Alfred Burkhard und Karl Berthold, die der Beerdigung beigewohnt hatten, berichteten danach, dass sie noch nie eine so große Trauergemeinde gesehen hätten.